Vielseitiger „Orchestermann“ aus Brasilien zu Besuch
Ein Landsmann des zu Studienzwecken in Waldsee und Neuhofen weilenden Pastors Hans Wendt
ALÉM DAS FRONTEIRAS
4/26/20262 min lesen


hn. Neuhofen. Ist es möglich, daß ein einziger Mann gleichzeitig sieben Musikinstrumente spielt und dadurch ein ganzes Orchester ersetzt? Unser Mitarbeiter hatte Gelegenheit dieses musikalische Phänomen zu sprechen und seiner Musik, alles ohne Noten gespielt, zu lauschen. Geboren wurde diese Einmaligkeit aus einer Notlage. Der „Orchestermann“ Heinrich Uebel, wie er in seiner Heimat Brasilien genannt wird, befindet sich seit einigen Tagen samt Gattin in Waldsee beim dortigen protestantischen Pfarrer, Pastor Hans Wendt, der bekanntlich ebenfalls gebürtiger Brasilianer ist und sich in Waldsee zu Studienzwecken aufhält. Die „Rheinpfalz“ berichtete darüber ausführlich.
Heinrich Uebel ist im brasilianischen Örtchen Teutonia des Kreises Estrela im Staate Rio Grande do Sul 1906 geboren. Zunächst war er als Landwirt, mit einem Besitz von 72 Morgen tätig, die heute sein Sohn bewirtschaftet. Schon mit 15 Jahren spielte er auf dem Bandoneon zu allen möglichen festlichen Anlässen auf. Schwere Schicksalsschläge auf wirtschaftlichem Gebiet, sowie drei schwere Operationen, zwangen ihn, sich eine neue Existenz zu suchen.
Nun ging er daran seine ureigene Idee in die Tat umzusetzen. Doch erst nach weiteren 15 entsagungs- und mühevollen Jahren trat er erstmalig mit seiner Erfindung vor die Öffentlichkeit. Dieses originell in seiner Art zusammengestellte Orchester verbesserte er im Laufe der Jahre immer mehr. Er bringt die Melodie mit einem Instrument und begleitet mit sechs anderen in ganz verschiedener Handhabung. Mit einer Hand zieht und setzt er die Finger am Bandoneon, mit der anderen spielt er die Baß-Stimmen des Bandoneons und mit dem Daumen zieht er am Piston (Kornett). Mit dem Mund spielt er Kornett, Mundharmonika oder Flöte. Mit dem Kinn und der Nase dreht er das Rad der Harmonika um die richtige Tonart für die zu spielende Weise zu finden. Mit dem linken Knie rührt er das Gebläse der Klavier-Harmonika, und mit dem linken Fuß bedient er die dicke Trommel, die Becken und die kleine Trommel.
Alles zu beschreiben, würde hier der Platz nicht ausreichen. Zu erwähnen bleibt noch, daß er alle möglichen Akkorde mit den Füßen erklingen lassen kann. In Brasilien ist er bei seinen Auftritten, sei es bei Funk, Fernsehen oder anderweitigen Veranstaltungen die Zugnummer, wovon zahlreiche Zeitungsausschnitte und Anerkennungsschreiben verschiedener Musikagenturen sowie Belobigungen hoher brasilianischer Amtspersonen ein beredendes Zeugnis abgeben. So war er beispielsweise bei der 400-Jahr-feier Sao Paulos das Tagesgespräch.
Nach Deutschland kam er, um einmal die Heimat seiner Vorfahren zu sehen. Seine einwandernden Großeltern stammten aus dem Hunsrück und Westfalen. Sein Wunsch in Deutschland ist, seine Erfindung weiterhin zu verbessern und auszubauen, wozu in Brasilien keine Gelegenheit besteht. Er beabsichtigt, die Außenwände des Musikgehäuses aus durchsichtigem Kunststoff oder Plexiglas anfertigen zu lassen, damit jeder Zuhörer auch die Schwierigkeiten der Handhabung sieht und sich davon einen Begriff machen kann. Natürlich ist er gewillt, wenn möglich, auch im deutschen Fernsehen und Funk sowie bei anderweitigen Veranstaltungen aufzutreten.