Heinrich Uebel in Deutschland

Brasil-Post 6 - 2 - 1960 SEMANARIO BRASILEIRO Estrêla

ALÉM DAS FRONTEIRAS

2/6/19603 min lesen

Heinrich Uebel, bekannt durch seine einmalige Erfindung auf dem Gebiete musikalischer Instrumente, über den schon früher in der „Brasil-Post“ geschrieben wurde, befand sich vom 23. Juli bis Ende November vorigen Jahres in seiner Stammesheimat Deutschland. Er wohnte bei seinem Freund und Landsmann (Deutschbrasilianer) Pastor Hans Wendt, der von Estrêla in Rio Grande do Sul vom Kirchlichen Aussenamt der Evangelischen Kirche in Frankfurt zu wissenschaftlichen Arbeiten nach der Pfalz in Westdeutschland berufen wurde. Pastor Wendt lud eine Anzahl Vertreter der Presse zu einer Konferenz nach Waldsee in der Pfalz ein, wo im Pfarrhause Herr Uebel über sein Leben und seine Kunst befragt wurde.

Nach der Pressekonferenz (vor 14 Tagen) berichtete die Frankfurter „Bild-Zeitung“, die 3 Millionen Leser hat, am 12. August folgendes: „Um als stolzer Sohn einmal die Heimat der Vorfahren einmal sehen zu können, kam der Deutschbrasilianer Heinrich Uebel die 8000 km aus Südamerika nach Waldsee gereist. In seinem Gepäck eine riesige Kiste, die sich bei näherer Prüfung durch die verdutzten Zöllner am Grenzübergang als ein selbstgebautes Mammut-Musikgerät entpuppte, auf dem Uebel bis zu sieben Instrumente (Trompete, Piston, Cello, Bandoneon, Schlagzeug, Gitarren, Mundharmonika und Klavier) zugleich spielen kann.“

Die Zeitung „Speyerer Tagespost“ schrieb u. a.: „Abgesehen von der ungeheuren Fingerfertigkeit und dem rein technischen Einfallsreichtum, die Instrumente so anzuordnen, dass man sie gleichzeitig bedienen kann, gehört dazu doch wohl ein ausgeprägtes Gehör und nicht zuletzt eine Konzentrationsfähigkeit, die ihresgleichen sucht. Dass dieses Phänomen möglich ist, konnten wir mit eigenen Augen beobachten. Nur mit unerschütterlicher Willenskonzentration ist eine solche Meisterleistung möglich.“

Ausser den beiden genannten Zeitungen haben gleichzeitig auch der „Frankenthaler“ noch folgende über das musikalische Genie des Herrn Uebel Reportagen gebracht: „Rheinpfalz“, „Freiheit“, „Hausfreund“, „Generalanzeiger“. In der Pfalz hat unser Orchestermann an etlichen gutbesuchten Abenden vor Leuten aus allen sozialen Schichten seine Kunst zeigen können. Er wurde auch eingeladen, auf Volksfesten zu spielen, so in Neuhofen bei Ludwigshafen, wo ihm am Ende des dritten Abends ein Strauss teuerster Blumen (Alpenveilchen) überreicht wurde.

Nach Waldsee und Ludwigshafen folgten, immer vor vollbesetztem Auditorium, Vorträge in Iggelheim, Rheingönheim, Schifferstadt, Edenkoben und Deidesheim. Deidesheim ist die Stadt der besten deutschen Weine. Hier spielte Uebel auf einem Traubenfest vor 3000 Personen und erhielt bei dieser Gelegenheit vom Bürgermeister Hauck, der ihn eingeladen hatte, ein Schreiben der Anerkennung und Empfehlung. Ein ebensolches Schreiben übergab ihm auch das katholische Pfarramt in Waldsee, nachdem er Abends zugunsten des Hilfswerks der katholischen und evangelischen Kirche „Für hungernde Völker“ gegeben hatte.

Ein Reporter des deutschen Südwestfunk kam eigens nach Mainz, um die Musik unseres deutschbrasilianischen Künstlers auf Tonband aufzunehmen und sie dann mehrmals für die Hörer durchzugeben. Das Fernsehen Baden-Baden schickte trotz der 200-km-Entfernung einen Sonderwagen zum Abholen des Herrn Uebel und seines Instruments. Darauf wurde er im Fernsehen von Millionen Menschen gesehen, gehört und bewundert. In der Stadt Wiesbaden hat die Film-Wochenschau das musikalische Phänomen aus Brasilien gefilmt, so dass es nun gleichzeitig infolge vieler Kopien in Hunderten von Kino-Häusern Europas und Nordamerikas gesehen und bewundert werden kann.

Zuletzt erhielt Uebel auch noch einen Ruf vom Fernsehen Köln, um auf der Bühne des berühmten Gürzenich-Saales in einem grossen Programm mitzuwirken. Er wurde hier als der einzige Brasilianer mit solch ausserordentlichen Erfolgen auf deutschem Boden gefeiert. In den beiden Fernsehen — Südwestfunk und Köln — wurde zu Ehren Brasiliens und seines Künstlers die brasilianische Fahne gehisst.

Auch die Sozialdemokratische Partei Deutschlands liess es sich nicht nehmen, Herrn Uebel eine Ehre zu erweisen: Sie liess Blätter mit einer Beschreibung über sein Leben und seine Kunst drucken und verteilte sie unter den Ortsgruppen der Partei. So haben sich drüben ausser dem Volk besonders auch Regierungsbeamte, Lehrer, Künstler, Politiker, Geistliche usw. für die einmalige Kunst eines Deutschbrasilianers interessiert.

Durch die grossen Erfolge ermutigt, hofft Herr Uebel noch eine zweite Reise nach Deutschland zu machen, wobei er seine Kunst zu einem geschäftlichen Unternehmen zu gestalten gedenkt. Dazu benötigt er, wie er sagt, eine Person, die es als sein Geschäftspartner versteht, gute Räume mit möglichst grossem Ausverkauf ausfindig zu machen.

Alfred Rex