Ein merkwiirdiger Musikapparat in rotem Gehãuse
Der brasilianische Orchestermann H. Uebel stellte sich der Presse vor
ALÉM DAS FRONTEIRAS
8/13/19592 min lesen


j Ein merkwiirdiger Musikapparat in rotem Gehãuse Der brasilianische Orchestermann H. Uebel stellte sich der Presse vor ff. In dem Meinen, schmucken Gemeindesaal der protestantischen Gemeinde Waldsee war ein merkwiirdiger Musikapparat in rotem Gehàuse aufgebaut. Vertreter der pfàlzisdien und auBerpfàlzischen Zeitungen hatten sich eingefunden, um den brasilianisdien ,,Homejn-Orquestra", den Orchestermann Henriquez Ueibel (,,Die Rheinpfalz" hat schon mehrfach iiber dhn berichtet) und seinen Wunderapparat kennenzulernen. Vorgestellt von seinem Landsmann Pfarrer Wendt mit der Riihrigkeit eines erfahrenen Managers, erklàrt der bescheiden zuriickhaltende Anfangsfunfzíger im pràgnanten Akzent der hunsriickischen Mundart seiner Voreltern den komplizierten Mechanjsmus dês in langen Krankheitsjahren erdachten Mechanismus dês Geràts. Es vollbringt mit seiiiem Instrumentarium die Klangwirkung eines kleinen Orchesters und in neun verschiedenen Kombinationen erklingen jeweils sechs bis sieben aus insgesamt zehn zur Verfiigung stehenden Instrumenten auf eininal. Sie alie sind eigens fiir diesen besonderen Zweck umgebaut. Sechs Mundharmonikas sind beispielsweise hintereinander auf einer Rolle angeordnet, um einen schnellen Tonartenwechsel zu gewàhrleisten, eigens fúr das Geràt konstruiert wurde audi das einchõrige FuBpiano, auf dem sich alie nur mckjlichen Akkordkomlbinationen in Dur und Moll spielen lassen, dann eine fiir einhãndiges Spiel umgebaute Flõte und die auf mehrere Arten zu bedienende Trompete. Akkordeon, Bandoneon und Schlagwerk vervollstàndigen das sinnvoll zusammengefiigte Instrumentarium. Ehe Uetoel mit seinem Spiel beginnt, prúft er erst noch einmal die Verbindungen nach und legt dann die Schuhe ab, uni auch in den Fufien das nõtige Gefiihl fúr die verschiedenartigen Spielfunktionen zu haben. Gleich die erste Nummer, ein brasilianisdier Marsch, zedgt «in reizvolles, sehr bewegtes Klangbild, in dem, von Hand bedient, Afckordeon und Trompete wechselweise die Fiihrung ubernehmen, wãhrend die Bàsse dês 82saitigen FuBpianos, der AkkordeonbaB und -die Sdilaginstrumente von den
FúBen bzw. vom groBen Zeh gespielt werden. Das Umwechseln der Moll- und DurAkkorde besorgt das Knie, die Auslõsung dês Sclialldedcels das Obcrteil d(?s Fufies, die Auslõsung dês Schalldeckels (Becfcen) ubernimmt der FuB-Ballen. Man spurt sofort, welch ungeheure Konzentration und "vvelch artistisches Kõnnen hinter dem Musizieren steckt, weldier FleiB und welche Willenskraft dazu notwendig waren, um dies alies scheinbar múhelos zu bewáltiçien. Mit Erstaunen stellte jedodi der Zuhõrer fest, daB diese erste Nummer keineswegs die schwierigste Kombination darstellt. Akkordeon und Trompete mit den Fullstimmen vereint, lassen sich verháltnismàBig leicht spielen. Sehr viel schwieriger wird's schon, wenn die Flóte hinzukommt, oder auch Violine und Trompete kombiniiert werden, wobei die Trompetenventile iiber einen Medianismus von der die Saiten greifenden linken Haus aus zu steuern sind. In den 24 Jahren, die der ehemalige Landvrirt fiir die Entwicklung seines Orchesterapparates geopfert hat, h,at er sich ein beach!lidies Repertoire erarbeitet. Argentinische und brasilianische Volksmusiken madien dabei den Ldwenanteil aus, aber auch belieibte deutsche Volksweisen und Màrsche fehlen darin nidit, wie etwa »Alte Kameraden" und die Schlager-Immergrúns ,,Heimweh" und ,,Heimiatlos", Musiknummern, die bei den àlteren, noch deutsdisprechenden Einwanderern Brasiliens immer wieder geme gehõrt werden. Seinen auf ein Jahr bemessenen Aufenthalt in Deutschland (das Uebel nun zum ersten Male in seinem Leben betreten hat) will der vielsedtige Orchestermann zu ausgedehnten Konzertreisen benutzen (eine Mannheimer Artisten-Acjentur hat bereits ihr Interesse bekundet). Daruber hinaus will er mit Fachleuten wegen Verbesserungen und neue Kombinationsmck[lichkeiten seines Instrumentes Kontakt aufnehmen. Verbindungen bestehen da schon mit dem Speyerer Órgelbauer Saltei. Sehr entgegenkommend hat sich auch ein groBes Automobilwerk gezeigt, das ais fransportfahrzeug fiir Uebel eine Spezialanfertigung ihres Kombiwagens baut. ff.