Der Ein-Mann-Orchester

62 | ZERO HORA | MITTWOCH, 20. NOVEMBER 2013 ALMANAQUE GAÚCHO RICARDO CHAVES

HENRIQUE UEBEL

11/20/20131 min lesen

Henrique Uebel wurde 1906 in einem Distrikt von Estrela geboren, der damals als Linha Schmidt bekannt war und heute zur Gemeinde Westfália gehört. Er war Landwirt, ein einfacher und charismatischer Mann, mit außergewöhnlicher intellektueller Begabung und ein Virtuose in der Musik. Als Autodidakt entwarf und baute er die Instrumente, mit denen er gleichzeitig bis zu sieben Instrumente spielte. Die deutsche Zeitung Die Rheinpfalz bezeichnete ihn 1959 in einem Bericht als „Orchestermann“ und betonte, es handle sich um etwas „einfach Einzigartiges, Unvergleichliches“.

Mit den Zehen spielte Uebel Klavier, Trommel, Becken und den Bass der Ziehharmonika. Mit dem linken Knie betätigte er den Balg der Harmonika, mit dem rechten wechselte er die Tonart. Mit der rechten Hand spielte er die Melodie des Bandoneons, mit der linken den Bass, und gleichzeitig bediente er das Kornett mit Daumen und Handgelenk. Für Mundharmonika und Flöte verwendete er ausschließlich die linke Hand und wählte mit Nase und Kinn die Tonhöhen der Mundharmonikas aus (die tatsächlich aus sechs verbundenen Mundharmonikas bestanden, einer Art Konzertina). Das Violoncello wurde mit der linken Hand gespielt, der Bogen war an dem Stuhl befestigt, auf dem er saß, und auf dem sich gelegentlich auch das Kornett befand. Die rechte Hand bediente die Ziehharmonika oder die kleine Klaviatur (Scaletta). Eine Violine war am Halter des Kornetts befestigt, das wiederum zusammen mit den über die Füße gesteuerten Instrumenten gespielt wurde. Wer es sah (und hörte), sagte, alles sei perfekt synchronisiert und harmonisch gewesen.**

Als Henrique Uebel, der „Ein-Mann-Orchester“, 1973 starb, wurde sein Vermächtnis anerkannt, und Straßen in Westfália und Estrela wurden nach ihm benannt. Dasselbe geschah mit dem Museum in Teutônia. Im Jahr 2010 wurde das Instituto Henrique Uebel (IHU) gegründet, eine gemeinnützige Organisation für soziokulturelle Aktivitäten, die Partnerschaften mit den Gemeinden der Region fördert. Am kommenden Samstag, dem 25. November, findet in Westfália der 3. Kultur-Gala- und Tanzabend statt, bei dem das soziale Projekt „Musik in der Schule“ vorgestellt wird.

Mitgewirkt: Selby Wallauer